Drei grüne Pullover

Sie liebte grün so sehr, dass sie ausschliesslich grüne Kleider trug. Sogar die Unterhosen waren grün. Sie hatte sie eingefärbt. Drei verschiedene Grün. Das eine erinnerte sie an die frischen Buchenblätter in Frühling, das andere an dunkle Tannen. Das dritte Grün war besonders: eine schrecklich künstliche Farbe, die in der Natur keine Entsprechung fand. Sie zog diese Unterhose an, wenn sie Leute traf, die sie nicht mochte. Das war selten, deshalb hatte sie nur eine Unterhose dieser Farbe. Das verhinderte, dass sie zwei Tage nacheinander Leute treffen konnte, die sie nicht mochte, denn sie wechselte die Unterhosen täglich.
Bei den Pullovern war sie gnädiger. Sie hatte drei davon, einen für den Herbst, einen für Weihnachten und einen für die kälteste und dunkelste Zeit im Januar. Danach wechselte sie wieder auf T-Shirt und Blusen, bei kalter Witterung mit einer Strickjacke, von denen sie ebenfalls drei in verschiedenem Grün hatte. Schliesslich war verlangt, dass sie gesittet zur Arbeit erschien, zumindest über den Unterhosen.

Susanne Thomann

3 grüne Pullover

Grasgrün, olivgrün, Birken-, Tannen-, Pappelgrün.
Die Natur ist grün.
Grün ist trendy.
Grün sind die Jeans von Tobias, nachdem er über den nassen Rasen gerobbt ist. Seine Mutter wird sich ärgern. Es sind die neuen Jeans für den 1. Schultag.
Tobias ist das egal. Er will nicht zur Schule gehen. Seine Lehrerin kennt er bereits. Sie radelt am Morgen jeweils an Tobias Garten vorbei und trägt grasgrüne Pullis, jeden Tag 3 Stück übereinander. Einen langärmligen Pulli, einen mit kurzen Ärmeln und darüber ein Leibchen. Leibchen wie sie sein Grossvater im Sommer bei der Gartenarbeit trägt, seine sind jedoch grau.

Ursula Mori

drei grüne pullover

grün. so grün wie die raupe im nimmersatten buch der kindheitserinnerungen. grasgrün, wie der akurat zurechtgestutzte, klinisch reine vorgarten der ehemaligen nachbarn. die, die uns immer mit einem verächtlichen blick gestreift hatten. abgrundtief verabscheut müssen die uns haben. wobei wir sie auch nur als notwendiges übel betrachtet haben. in drei grünen pullovern standen wir damals in ihrem ebenso grünen vorgarten und schrien uns die kehle wund vor wut. wie die sich unmöglich verhalten hatten! wir wollten uns doch nur wehren und uns nicht einfach klaglos ihre meinung aufdrücken lassen. ehe wir uns versahen, sammelte die eiligst herbeigerufene polizei uns ein und mit zusammengebundenen händen hinter unseren grünen pullovern mussten wir in den grünen kastenwagen einsteigen.

andrea barbara trachsel